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Ratgeber Schädelhirntrauma

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Schädelhirntrauma
Therapie eines Schädelhirntraumas

Die Therapie wird auf den Schweregrad des Schädelhirntraumas und den Ort der Verletzung abgestimmt. Bei einer Gehirnerschütterung, einem leichten Schädelhirntrauma, können auftretende Beschwerden meist gut gelindert werden. Schmerzen in Kopf und Nacken, Schwindel oder Überempfindlichkeiten gegen Licht oder ähnliches werden beispielsweise durch Medikamente und Physiotherapie behandelt. Ein mittelschweres oder schweres Schädelhirntrauma erfordert eine intensivmedizinische Versorgung. Neben der möglicherweise notwendigen Unterstützung der Vitalfunktionen kann ein neurochirurgischer Eingriff erforderlich sein, um den Druck im Schädelinneren bei Vorliegen eines Hämatoms zu lindern. Dafür muss die Schädeldecke geöffnet und das Blut sowie die Blutergüsse entfernt werden.

Therapie eines Schädelhirntraumas

Ist die Diagnose des Schädelhirntraumas abgeschlossen, stehen dem Ärzteteam verschiedene Arten der Therapie offen, die vom Grad des Schädelhirntraumas und der Lokalisierung der Verletzung abhängen.

Therapie bei Schädelhirntrauma 1. Grades

Nach der meist leichten Impulsverletzung treten bei einem großen Teil der Patienten posttraumatische Symptome wie Schwindel, Kopf- und Nackenschmerzen, Depression, Licht- und Geräuschüberempfindlichkeit sowie Übelkeit auf. Diese Symptome sind meist nur vorübergehend und können in der Regel mit Medikamenten, Krankengymnastik und diversen Entspannungsübungen meist ambulant behandelt werden. Nur bei wenigen Patienten werden diese Symptome chronisch und bleiben über einen längeren Zeitraum von vier Wochen bis zu einem Jahr bestehen. Hier hilft neben der Einnahme von Medikamenten auch eine psychosoziale Betreuung der Patienten mit einem Schädelhirntrauma.

Therapie bei Schädelhirntrauma 2. und 3. Grades

Bereits bei einem Schädelhirntrauma zweiten Grades müssen Patienten auf der Intensivstation untergebracht, versorgt und beobachtet werden. Denn häufig zeigt die Computertomografie bereits eine Prellung der Hirnrinde, die einen operativen Eingriff eines Neurochirurgen notwendig machen kann.

Liegt ein schweres Schädelhirntrauma vor, müssen zunächst Kreislauf und Atmung stabilisiert werden. Je nach Befund erfolgen die weiteren Therapiemaßnahmen. Häufig muss der Hirndruck durch einen operativen Eingriff gelindert und Hirnblutungen und deren Hämatome abgesaugt werden. Zur Prüfung des Drucks wird eine Druckmesssonde in das Gehirn eingebracht, mit deren Hilfe auch ein Teil des Hirnwasser abgelassen werden kann. Zusätzlich können Medikamente dem Gehirn Flüssigkeit entziehen.

Rehabilitationsmaßnahmen bei Schädelhirntrauma nach Therapie

Nach der Therapie muss bei einem Schädelhirntrauma die Rehabilitation sobald wie möglich begonnen werden. Denn Ärzte haben festgestellt, dass die Bettlägerigkeit von Patienten zu Sekundärschäden führen kann. Sobald ein Patient wieder beginnt zu stehen, können sich motorische und andere Leistungen wieder verbessern. Das Gleichgewichtsorgan wird angeregt und kann unter Umständen die Aktivierung der Gliedmaßen beschleunigen.

Befindet sich ein Patient noch im Koma, werden zur Therapie eines Schädelhirntraumas technische Hilfsmittel wie beispielsweise Kipptische mit passiver Beinbewegung eingesetzt. Zudem verwenden Ärzte nervenstimulierende Medikamente, um die Nervenbahnen an ihre Aufgaben zu „erinnern“.

Erlangt ein Patient mit Schädelhirntrauma das Bewusstsein wieder, legen die betreuenden Ärzte die Maßnahmen der Folgerehabilitation fest. Neben Physio- und Ergotherapie zur Vermeidung von Gelenkversteifungen zählen hierzu die Sprach-, Schluck- und neuropsychologische Therapien. Nach sechs Monaten zeigen die Therapien bei 60 % der Patienten mit Schädelhirntrauma 2. Grades gute Ergebnisse, 30 % weisen eine Behinderung mittleren Grades auf. Beim Schädelhirntrauma d3. Grades können zwischen 10 % und 20 % der Patienten erfolgreich therapiert werden.

Folgeerkrankungen eines Schädelhirntrauma können sein:

  • Lern- und Gedächtnisstörungen
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Sprachstörungen
  • Schluckstörungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • emotionale Störungen (z. B. Reizbarkeit, Aggression oder Depression)
  • Schläfrigkeit
  • Lähmungen
  • spastische Krämpfe
  • epileptische Anfälle
  • Wachkoma

Lutz Leukhardt

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Diagnose Schädelhirntrauma

Ein Schädelhirntrauma wird durch die Art der Verletzungen und das Ausmaß der neurologischen Beeinträchtigungen diagnostiziert und nach der Glasgow-Koma-Skala eingeordnet. Bei diagnostiziertem Schädelhirntrauma sollte die weitere beziehungsweise genauere Diagnose im Krankenhaus erfolgen.

Zur Diagnose wird untersucht, ob der Zustand des Bewusstseins und die Vitalfunktionen stabil sind. Es findet auch eine Überprüfung auf eventuelle Verletzungen statt. Auch die neurologischen Funktionen werden gründlich begutachtet. Zusätzlich zu einer Blutuntersuchung werden zur Diagnose eines Schädelhirntraumas neben anderen Methoden auch bildgebende Verfahren wie CT, MRT und Sonografie eingesetzt.

Bei einem Schädelhirntrauma ist es besonders wichtig, Betroffene innerhalb der ersten Stunde nach Eintritt des Traumas zu behandeln, bevor möglicherweise eine Verschlechterung des Zustandes eintritt.

Insbesondere bei Unfällen im Straßenverkehr sind Schädelhirntraumata eine häufige Folge. Oft wird eine Gehirnerschütterung, das heißt ein Schädelhirntrauma 1. Grades, verursacht, von welchem sich die Betroffenen zumeist gut erholen. Ein Schädelhirntrauma 3. Grades zieht vielfach Folgeschäden und Behinderungen nach sich, aber auch bei schwerem Trauma besteht die Möglichkeit einer vollständigen Genesung: bis zu 27 % werden nach erlittenem Schädelhirntrauma wieder gesund.

Ein Schädelhirntrauma entsteht durch Einwirkung äußerlicher Gewalt. Durch Stöße – zum Beispiel bei Unfällen bei der Arbeit, im Haushalt oder im Verkehr – oder Schläge wird das Gehirn innerhalb des Schädels an die Schädelwand gestoßen. Dadurch können Prellungen, Schädigungen der Nerven oder auch Blutungen entstehen, die wiederum Hämatome hervorrufen können.

Durch Blutungen der Hirngefäße – subdurale Blutungen genannt – kann der Schädelinnendruck steigen. Die sich ausdehnende Blutung drückt auf das Gehirn, da durch die Schädelwand keine Möglichkeit zur Ausdehnung besteht. Durch ein solches Hämatom kann auch die Versorgung des Gehirns beeinträchtigt werden, wenn beispielsweise der Bluterguss auf Blutgefäße drückt.